Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!

„Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“ – dieser Satz stand auf dem Transparent, das ein „König“ (verkleideter Fan) den Läufern beim Marathon in Karlsruhe kurz vor dem Ziel entgegen streckte und der meinen Lauf ziemlich gut beschreibt. Ich habe den Halbmarathon in Karlruhe geschafft…allerdings nicht ganz so easy und gemütlich, wie ich mir das eigentlich vorgenommen hatte.

Aber der Reihe nach….

Der Sonntag begann für mich bereits um sechs Uhr mit meinem üblichen Frühstück: Müsli und Tee

Dick eingepackt ging es anschließend zum Zug. Im September ist es morgens nämlich schon ganz schön kalt.

Gegen kurz nach acht kam ich in Karlsruhe an. Am Bahnhof wimmelte es bereits von Läufern (die sich übrigens am besten an den Schuhe identifizieren lassen).

Die Bedingungen waren perfekt: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und frische (und ganz schön kühle) Luft. Nachdem ich meine Sachen abgegeben hatte, stand ich frierend am Start und beobachtete die anderen Läufer.

Noch keiner da!

Läufertypologie

Vorsicht Lästerecke! Aber ich hatte ja nichts anderes zu tun, als meine Mitläufer unter die Lupe zu nehmen!

Direkt aufgefallen ist mir der Typ „nervöses Rennpferd“. Diese Läufer sprinten sich bereits eine Stunde vor dem Lauf warm und sind dann schon fast 21 km gelaufen, bevor es endlich los geht. Beim Anblick einiger Damen der „sexy Fraktion“ in verboten kurzen Höschen und bauchfreien Oberteilen hab ich hingegen spontan Schüttelfrost bekommen. Sieht ja spitze aus Mädels, aber doch nicht bei 5 Grad!  Spannend wiederum ist der „hochgerüstete Typ“ der alles dabei hat, was der Läufermarkt aktuell so zu bieten hat: nagelneue Laufschuhe, Kompressionsstrümpfe  (gerne auch in Neonfarben), die neueste Laufdresskollektion (bei den Damen scheinen Laufröcke gerade „In“ zu sein), die neueste Funktionsuhr , Armstulpen, Kopfband und einen „Patronengürtel“ mit dem kompletten Programm an isotonischen Getränken, Energiegels, Pülverchen und Riegeln.

Auf die Plätze, fertig, los!

Nachdem ich also eine Runde Leute angeguckt und dabei vor mich hin gefroren hatte, ging es los. Und wie ich los ging! Was mich dazu gebracht hat, total kopflos drauflos zu preschen, wüsste ich nämlich auch ganz gerne. Ob es an der tollen Stimmung lag, daran dass mir kalt war und ich mich warm laufen wollte oder dass ich nicht gerne überholt werde ….keine Ahnung! Jedenfalls habe ich die erstem 10 km abgespult als gäbe es keine zweiten 10 km – und das hat sich dann fies gerächt.

Bei Kilometer 12 bekam ich zum ersten Mal seit Jahren Seitenstechen die ich nur in den Griff bekam, indem ich voll auf die Bremse trat. Mit deutlich reduziertem Tempo ging es weiter, aber dann wurden auch schon die Beine schwer. Den Rest der Strecke bin ich dann nur noch mit dem Kopf gelaufen. Der Zieleinlauf war deshalb auch weniger triumphierend sondern eher erlösend (bin mal gespannt wie ich auf dem Zieleinlaufsfoto aussehe – wir gepostet sobald es online ist) und ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich so richtig freuen konnte.

Bedröppelte Anne!

Aber zum Glück hat der König ja recht: „der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“.  Eine Stunde später konnte ich mich so langsam mit dem Lauf versöhnen und nach dem ersten Radler kam endlich das heiß ersehnte „Afterhalbmarathonfeeling“ auf: Stolz, Glück, Erleichterung…alles auf einmal!

Mein Fazit: War nicht der optimale Lauf aber nach der dreijährigen Pause bin ich stolz und glücklich, dass ich es noch/wieder kann! Nachdem Lauf ist vor dem Lauf (hätte mir das am Sonntag jemand bei Kilometer 14 gesagt hätte ich dazu einiges zu sagen gehabt…nur nichts Nettes) und ich freue mich inzwischen richtig auf die ersten Einheiten am Wochenende und den nächsten Wettkampf!

PS: Wie lange der Schmerz bleibt hat der König leider nicht gesagt. Ich hatte heute nämlich den Muskelkater meines Lebens und hab jede Treppe verflucht, die mir in den Weg kam. Heute Abend war ich auslaufen, mal sehen, ob ich morgen wieder ein bisschen runder durch die Welt eiern kann!

12 Antworten

  1. Danke für diesen schönen als auch witzigen Bericht!
    Nicht zu schnell loszulaufen erfordert immer wieder Konzentration. Gerade weil man bei dem Start so mitgerissen wird. Wer kennt das nicht…

    Liebe Grüße
    Christian

    • Nächstes Mal werde ich mich viel weiter hinten einreihen. Das Feld aufzurollen ist sicherlich befriedigender, als selber aufgerollt zu werden🙂

  2. Herzlichen Glückwunsch. Die „Katze“ wird bald verschwinden betsimmt🙂

  3. Netter Bericht, meine Liebe.

    Gut nachvollziehbar, wer kennt das nicht? Aber Du hast eines der Geheimnisse des Laufens gezeigt. Man muss erfahren, was es heißt, zu schnell anzugehen.

    Wenn die Kraft weg ist, die Muskeln übersäuert sind und dann noch viel Weg da ist, dann kann jeder Kilometer unendlich lang werden.

    Bei mir ist es in so einem Fall dann so, dass ich auf die GPS-Uhr (neuestes Modell – siehe Dein Bericht) schaue und denke: oh, erst 300 Meter, seit dem ich zuletzt nachgesehen habe … kann das sein?
    Und dann stürze ich mich zur nächsten Kilometer-Markierung, als sei sie das Ziel.

    Das wird Dir beim Eisweinlauf aber nicht passieren. Wir laufen langsam und locker, wir reden und wir lachen viel.

    Ich freue mich drauf!

    TOM

    • Ich habe auch schon überlegt, dass mir das sicher nicht passiert wäre, wenn ich mit jemandem zusammen gelaufen wäre. Naja, aus Fehlern lernt man und ich freu mich riesig auf den Eisweinlauf. Im übrigen überlege ich gerade aufzurüsten…das Objekt meiner Begierde nennt sich Forerunner 305….😉

  4. Hoffentlich kannst Du Dich mittlerweile freuen! Es ist so oder so eine tolle Leistung. Aber ich verstehe natürlich den Frust, wenn es nicht so läuft wie geplant. Aber ein Halbmarathon ist ein Halbmarathon! Glückwunsch!🙂

  5. Herzlichen Glückwunsch zum Finish! Und ich denke so Gedanken nach dem Motto „Mach ich nie wieder so nen Sch…“ sind ganz normal.🙂 Ich hatte das bei meinem HM schon nach 7km… *räusper*

    Der Muskelkater ist sicher bald weg und genieß noch das schöne Nach-Wettkampf-ich-bin-stolz-auf-mich-Gefühl.😉

  6. Hey Anne, ich werde nie einen Halbmarathon schaffen.. weil ich gar nicht deine Disziplin hätte. Also riesen Anerkennung von mir. Und merke dir immer: Du bist eine echt starke Frau🙂

  7. Gratuliere das du durchgehalten hast!! „Fehler“ passieren jedem mal und es gibt bessere und schlechte Läufe, aber alleine das man den Lauf beendet zeugt von Durchhaltevermögen finde ich!! Super gemacht!! (Und danke für die witzige Läufertypologie!! ;-))

  8. *gnihihi* Ja, das Lospreschen ist mir im März passiert und ich konnte mich erst jetzt im September davon lösen, es also verdauen und besser machen. Daher freut es mich umso mehr, daß Du Dich direkt im Anschluß doch über den Lauf freuen konntest! Herzlichen Glückwunsch und Danke für das Amusement.🙂

  9. […] mich selber ganz hinten ein. Ich habe bei großen Veranstaltungen nämlich immer die Tendenz, mich tempomäßig komplett an meinem Umfeld zu orientieren. Und wenn die den Marathon in 3:10 Stunden laufen, dann renne ich das Tempo 5 km mit und kann […]

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